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Rufen Sie nicht an, er ruft Sie an. Oder trifft Sie live beim Wiener Kabarettfestival. Stand-up-Comedian Gernot Kulis im Talk.

Erwischt! Wenn man im Alser Café in Wien einen Mann konzentriert an seinem Laptop tippen sieht, hat man große Chancen, Gernot Kulis bei der Arbeit zu entdecken. Das Kaffeehaus ist sein liebstes Büro, wenn es darum geht, sei­ne Programme zu entwickeln. Fürs Lernen der Texte schwingt er sich auch gern auf den Ergometer. Wie wichtig ­Tempo, Haltung und Atmosphäre für sein Tun sind, verrät der ­Stand-up-Comedian im Gespräch – Kostproben seiner Parade­rolle als Ö3-Callboy inklusive.

Wir treffen uns in Ihrem Lieblingskaffeehaus. Wie wichtig ist das ‑Ambiente für Sie, auch bei einem Auftritt?
Sehr! Für mich gilt immer: Ich spiele nicht gegen einen Raum, sondern mit einem Raum. Ich integriere die jeweilige Atmosphäre und stelle mich auch immer auf die jeweilige Location, das jeweilige Publikum ein. Mein Programm wird teilweise auch regional adaptiert – manche Pointen machen in einem Bundesland einfach mehr Sinn als in einem anderen. Und natürlich macht es in einem schönen Ambiente auf der Bühne noch mehr Freude. Auf den Auftritt beim Wiener Kabarettfestival freue ich mich daher besonders. Letztes Mal war es ein großes Vergnügen – tolles Publikum, tolle Location. 

Für Ihren Auftritt beim Wiener ‑Kabarettfestival schlüpfen Sie in Ihre Para-derolle als Ö3-Callboy. Wie konnten Sie aus 20 Jahren ein Best of zusammenstellen?
Der Ö3-Callboy ist eine meiner vielen Rollen, die ich als Stand-up-Comedian spiele. Und daraus habe ich ein Best of kreiert, wobei die Auswahl nicht einfach ist. Für mich ist immer ein Kriterium am wichtigsten: Hat der Anruf eine Geschichte, was ist rundum noch passiert? Ich arbeite auf der Bühne mit einer Set List mit 150 Tracks, die ich selbst live wie ein DJ bediene, damit sie genau auf den Punkt zum Einsatz kommen. 

Der Ö3-Callboy ist nur eine der vielen Rollen von Comedian Gernot Kulis.

Wie schafft man es, eine ursprüngliche Radio-Rubrik auf die Bühne zu bringen?
Meine Callboy-Anrufe sind ja immer als kleines Drehbuch, als Sketch konzipiert: Es gibt einen Einstieg, man ­gestaltet eine Fallhöhe, eine Wende und ein Fina­le. Und ich erzähle auf der Bühne auch Geschichten. Natürlich ist die Idee für einen Anruf immer schon eine Story für sich, etwa als ich bei der Euroeinführung bei Leuten mit Namen Schilling angerufen habe und ihnen erklärte, dass sie ab sofort Euro heißen. Aber viele lustige Geschichten ergeben sich immer drumherum. Das Publikum erfährt also die oft lustigen Vorgeschichten zu diversen Anrufen, woher ich die Ideen für meine Stimmen habe, wo ich die Nummern finde und noch so manch andere überraschende Insider-Info.

Kleiner Spoiler: Woher kommen die Stimmen?
Für meine Stimmen habe ich immer ganz konkrete Vorbilder. Mirko etwa, der auch in der Show vorkommt, habe ich als Mechaniker in einer slowenischen Autowerkstatt kennengelernt, als ich dort mit einer Panne landete. Toller Typ, super Stimme. Jede meiner Stimmen in der Show hat so ein reales Vorbild. Das ist mir bei all meinen Programmen ganz wichtig, dass ich authentisch bin. Im Endeffekt spiele ich keine Rolle, und alles, was ich auf die Bühne bringe, hat eine reale Erfahrung als Basis. 

Wen rufen Sie als Callboy am liebsten an?
Behörden, die müssen nämlich abheben.

Gibt es einen Anruf, an den Sie sich selbst gern erinnern?
Der längste Callboy-Anruf aller Zeiten. Da habe ich als Vertreter des Statistischen Zentralamts bei einem Herrn in einem kleinen Dorf angerufen und ihm erklärt, dass wir gerade statistisch erfassen, wie viele orangefarbene Bentleys vor seinem Haus vorbeifahren. Und dass er das bitte ab sofort zählen sollte. Der Herr hat sich dann wirklich vors Haus gesetzt und am nächsten Tag berichtet, dass kein Einziger vorbeigefahren ist. Das haben wir dann eine Woche lang gespielt. Jedes Mal mit der gleichen Aussage: keine Sichtung. Ich habe dann versucht, dem Herrn eine Freude zu machen, und wollte bei Bentley ein orangefarbenes Modell ausleihen. Leider mit der Info: Es gibt diese Farbe gar nicht im Sortiment! 

Wie reagieren eigentlich die Angerufenen nach der Auflösung?
Die meisten eigentlich sehr positiv und geben auch die Einwilligung fürs Verwenden. Der Witz muss gut sein, dann wird er auch positiv aufgenommen.

Das Tempo der Unterhaltung wird immer schneller.“

Der Ö3-Callboy ist ja nur eine Facette Ihres Tuns. In welcher Rolle fühlen Sie sich am wohlsten?
Der Ö3-Callboy begleitet mich seit über 20 Jahren, und ich mag dieses Format sehr gern. Genauso stehe ich aber seit vielen Jahren auch mit Solo-Programmen (aktuell Herkulis) auf der Bühne. Im Prinzip ist die Rolle immer gleich: Ich bin Comedian, der sich unterschiedlicher Formate bedient.

Wie wichtig ist Ihnen Gesellschaftskritik in Ihren Programmen?
Natürlich gehe ich mit einer gewissen Haltung auf die Bühne und lenke meinen Blick auf bestimmte Themen. Aber nie mit dem erhobenen Zeigefinger, immer subtil. Es geht mir darum, Themen mit einem Lächeln aufzugreifen und dem Publikum auch zu überlassen, was es daraus mitnimmt. Man kann die pure Pointe sehen oder sich auch mehr Gedanken über den Sinn dahinter machen. Beides ist okay. Der Callboy etwa ist für Zehn- bis 90-Jährige zum herzhaften Lachen geeignet. Oder auch das Ministerium für Irreres, das während der Pandemie online über eine Million Menschen erreicht hat, kann jeder interpretieren, wie er meint. Wir haben einfach die Lupe auf Skurriles gelegt. Der Rest ergibt sich fast von selbst.

Munde. Meinen Sie, dass sich die Zukunft vermehrt in virtuellen Welten abspielen wird?
Für KI hab ich meine eigene ­Definition: Kulis Intelligenz. Und gerade da VR und KI eine immer größere Rolle spielen, werden Live-Events an Bedeutung gewinnen. Das gemeinsame Erleben, ganz real, hat eine Qualität, die es gerade in unserer Zeit braucht – als Zufluchtsort in einer digitalen Welt. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich mit meiner Arbeit nicht auf aktuelle Trends reagiere. Das Tempo der Unterhaltung wird immer schneller, ein TikTok-Video etwa unterhält in zehn Sekunden, dann ist es schon wieder weggewischt. Sprich, das Publikum ist eine hohe Gag-Dichte gewohnt, die ich aber seit jeher biete. Ich werde selbst unruhig, wenn nicht viele Pointen kommen. Somit muss ich mich da nicht großartig anpassen. Thematisch wird es natürlich auch immer schneller. Daher sind zirka 30 Prozent des Programms auch flexibel.

Welche Fähigkeit braucht es auf der Bühne besonders?
Spontanität! Und um auf diese am besten vorbereitet zu sein, braucht es Routine. Ich notiere mir daher nach ­jeder Show, ob etwas Neues gut funktioniert hat, filme jeden Auftritt und erarbeite mir so einen Freiraum, mit dem es sich wunderbar und vor allem professionell spielen lässt.

Für KI hab ich meine eigene ­Definition: Kulis Intelligenz.”

Und wie testen Sie, ob ein neues Programm gut ankommt?
Ich spiele gern vorab im kleinen Rahmen – vor 30, 40 Leuten und teste die Reaktion. Außerdem schreiben wir die Programme immer zu dritt. Dabei gilt immer: Wenn wir drei von Herzen über die gleiche Pointe lachen, dann passt sie. Natürlich wird daran dann noch ­gefeilt, aber im Prinzip ist auf die erste Intuition Verlass.

Vielen Dank für das Gespräch!

Gernot Kulis

Gernot Kulis schlüpft als Stand-up-Comedian in die unterschiedlichsten Rollen. Mit seinem aktuellen Programm Herkulis“ ist er gerade auf Tour. Mit seinem Best of 20 Jahre Ö3-Callboy“ macht er auch beim Wiener Kabarettfestival Station. Eines ist dabei fix: Niemand ist vor ihm sicher, kein Amt, keine Privatperson, kein Prominenter. Wenn Gernot Kulis zum Telefon greift, hört und lacht die ganze Nation mit. gernotkulis​.at

Gernot Kulis – Wiener Kabarettfestival
Di, 25. 7. 2023, 19.30 Uhr
Wiener Rathaus – Arkadenhof, Wien Best of 20 Jahre Ö3-Callboy“
wienerkabarettfestival​.at

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