Die Ballettmeisterin
In Zeiten politischer oder sozialer Unruhen strahlte das sowjetische Fernsehen manchmal tagelang Tschaikowskys „Schwanensee“ aus. Diesen Umstand greift die in der Sowjetunion geborene Konzeptkünstlerin Anna Jermolaewa auf, die den österreichischen Pavillon gestalten wird. 1989 kam sie als politischer Flüchtling nach Österreich, wo sie an der Akademie der bildenden Künste studierte.

„Rehearsal for Swan Lake” nennt Jermolaewa ihren Beitrag, in dem eine Gruppe von Balletttänzerinnen ausgewählte Szenen des berühmten Balletts proben. Dadurch möchte sie es „von einem Instrument der Ablenkung und Zensur in ein Instrument verwandeln, das einen politischen Wandel und einen Regimewechsel fordert”. Jermolaewa arbeitet mit der ukrainischen Balletttänzerin und Choreografin Oksana Serheieva zusammen, die in Tscherkassy eine Ballettschule leitete und nach der Invasion Russlands mit ihrer Familie nach Österreich flüchtete. Wie das Ergebnis genau aussehen wird, das wird man erst bei der Eröffnung des von Josef Hoffmann gestalteten Pavillons am 20. April sehen. In der Vergangenheit setzte die hochpolitische Künstlerin jedenfalls auf unterschiedliche Medien, von der Präsentation von Videos bis hin zu Installationen, Soundkulissen oder performativen Elementen.
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